Es gibt feste und bewegliche Feiertage. Zumindest theoretisch. In der Praxis gibt es nur bewegliche Feiertage oder besser, plötzlich und unvermutet auftauchende Tage zum Feiern. Sie schleichen sich durch das Dickicht des Alltagsrummels, verstecken sich hinter Stress und Terminen und hechten dann unvermutet aus dem Gebüsch. Tigergleich. Statt mit zahnbewehrtem Rachen drohen sie mit der Frage des Kollegen “Und was schenkst Du Deiner Frau zum Valentinstag?” Antwort: “Äääh, ja, mmhh – was schenken ?”
Natürlich gibt es eine Menge Varianten. Statt Valentinstag könnte es auch Geburtstag, Weihnachten, Hochzeitstag, Jubiläum heißen und ‘Frau’ lässt sich durch Freund, Freundin, Gatte, Kinder, Geschwister, Eltern ersetzen. Nur die Antwort und die Frage “was schenken”, die bleibt in den meisten Fällen gleich.
Irgendwann wird die Zeit kommen und Socken und Schlips werden wieder als originelle Geschenke gelten. Oder der ganz persönliche Wert des selbst gestrickten Fahrradsattelüberzugs mit Monogramm als von Herzen kommendes Geschenk wird wieder anerkannt. Oder Klaus wird nicht sauer, wenn man ihm sagt: “Klausi-Kumpel, unser persönliches Geschenk an Dich – wir haben uns eine ABC-Schutzausrüstung von der Bundeswehr besorgt und werden mal Deine Wohnung putzen.”
Natürlich wünscht sich jeder Zweibeiner das ganz persönliche Geschenk, jenes herzerwärmende Zeichen, dass sich der Schenkende das Hirn zermartert und sein Herz erforscht hat, um die passende Gabe zu finden. Das Risiko steigt allerdings, dass am Ende beide Parteien ihren Frustrationseffekt haben. Was Schenken ist wirklich keine einfach zu beantwortende Frage.
Bis dahin bleibt die Tatsache, dass in der Konsumgesellschaft so ziemlich jeder schon so ziemlich alles hat. Meistens in dreifacher Ausführung, die, die nach dem Auspacken aller Geschenke, noch durch eine vierte oder fünfte Variante ergänzt wird.
Was vielleicht nicht einmal schlimm ist, denn auch Internetauktionshäuser brauchen ihr Futter und wozu wurden Tombolas erschaffen, wenn nicht zur Entsorgung unerwünschter oder überzähliger Geschenke in festlichem Rahmen?
Aber es gibt Auswege. Abschaffung aller Tage, an denen Geschenkgefährdung gemeldet wird. Ein Leben als Einsiedler in der Wüste. Oder aber, weiter nach dem richtigen Geschenk suchen und sich mit der Frage – was schenken – das Hirn zermatern.